Schmerz ist auch nur ein Gefühl

Immer mehr Menschen leiden unter Schmerzen und chronischen Schmerzerkrankungen. 

Das stellt gerade für uns in der Medizin eine immer größere Herausforderung in der täglichen Arbeit dar. 

Schmerzen sind in erster Linie für die Betroffenen eine große Belastung und erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, aber ebenso eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, eine große Belastung der Volkswirtschaft durch Krankheitstage und steigende Behandlungskosten, sowie eine wissenschaftliche Herausforderung bei der Entwicklung von diagnostischen Möglichkeiten und neuen therapeutischen Ansätzen.

Dabei stellt sich derzeit die umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung in der Schmerztherapie als besonders problematisch dar. 

Einerseits weil spezialisierte Fachleute in der flächendeckenden Versorgung fehlen, andererseits weil für eine umfassende Diagnostik und Therapie ein sogenannter multimodaler Ansatz notwendig ist, in dem die unterschiedlichsten Aspekte von Schmerz und dessen Therapiemöglichkeiten berücksichtigt werden. 

Dies ist jedoch ein zeitlich sehr aufwändiger und kostenintensiver Weg, der für eine umfassende und erfolgreiche Schmerztherapie allerdings alternativlos ist. Ein wahres Dilemma.

Schmerzen sind also ein sehr umfassendes und komplexes Thema. 

„Schmerz ist auch nur in Gefühl“ hört sich da mitunter etwas banal und verharmlosend an. Das ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. 

Schmerz hat sehr viel mit Wahrnehmung und unserem Gehirn zu tun. Es ist wichtig zu verstehen, wie diese Mechanismen funktionieren, wie das Gehirn uns manchmal in die Irre führt und sehr oft einfach nur zu Schützen versucht.

Wer über einen längeren Zeitraum von Schmerzen betroffen ist, weiß wie unterschiedlich Schmerzen von Tag zu Tag wahrgenommen werden können und von Ereignissen, Lebensumständen, Alltagsfaktoren und Situationen beeinflusst werden können.

Für eine umfassende Beurteilung der Schmerzsituation sind viele Informationen von Bedeutung. Dazu gehören neben den Symptomen und Auslösern auch einige Rahmenbedingungen des Alltags und Verhaltensweisen ebenso wie Stressfaktoren. 

Für eine effektive Schmerztherapie ist es wichtig, beeinflussende Faktoren erkennen zu können und den Verlauf der Schmerzen im Auge zu behalten. Doch nicht nur für den behandelnden Arzt und Therapeuten sind diese Informationen wichtig, sondern auch für Betroffene, um ein besseres Verständnis für das Zusammenwirken der schmerzbeeinflussenden Faktoren und eine bessere Wahrnehmung für positive Entwicklungen bekommen zu können. 

Als Schmerzpatient fühlt man sich oft missverstanden, alleine gelassen und hilflos, da die Schmerzen oft den gesamten Alltag prägen und manchmal unbezwingbar erscheinen. Schmerzen sind aber veränderbar und durchdachte und individuelle Therapiekonzepte sehr häufig von Erfolg gekrönt.

Dabei sind für eine effektive und erfolgreiche Schmerztherapie neben einer guten und umfassenden medizinischen Betreuung vor allem Geduld und die eigene Motivation und Mitarbeit von grundlegender Bedeutung sowie die Bereitschaft eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern.

Erst dann ist eine erfolgreiche Schmerztherapie möglich, die multimodal, also aus vielen unterschiedlichen Therapieansätzen bestehend, aufgebaut sein muss. Dazu ist eine enge Abstimmung der beteiligten Ärzte und Therapeuten unter Einbeziehung des betroffenen Patienten mit und in seinem persönlichen und beruflichen Umfeld notwendig.

Oftmals ist bei Schmerztherapie nur von der medikamentösen Therapie die Rede. Dabei sind viele andere Faktoren mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar bedeutsamer. Es geht um Stress und Ängste, Bewegung und Haltung, Schlaf und Emotionen; darum, eventuelle Gewebschädigungen zu behandeln um die Grundlage des Schmerzes zu lösen und Wahrnehmungen zu ändern oder zu verbessern um einen anderen Umgang mit dem Schmerz zu erlernen.

Die Ernährung kann ebenso eine Rolle spielen wie Umweltfaktoren. Deswegen sind an einer erfolgreichen, multimodalen Schmerztherapie auch viele Berufsgruppen beteiligt. Das sind neben den Hausärzten als erste Anlaufstelle, speziell ausgebildete Fachärzte aus der Schmerztherapie und Schlafforschung, Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Coaches und Psychotherapeuten Diese Komplexität muss in der Therapie von allen Beteiligten erkannt und auch positiv angegangen werden damit Betroffene wieder zu einem erfüllten und glücklichen Leben zurückfinden können.

All diese Zusammenhänge, sowie Erklärungen dazu, was Schmerz eigentlich ist, wie er sich entwickelt und wie er beeinflusst wird, finden Sie informativ und verständlich vermittelt im neuen Hörbuch "Schmerzfrei leben" von Andreas Koch, demnächst erhältlich bei Amazon und Audible. In diesem Hörbuch erhalten Sie außerdem Tipps, was man aktiv gegen Schmerzen unternehmen kann und wie Schmerztherapie erfolgreich geingen kann.